michael wollny

Der Jazz war schon hundert Jahre alt, als Michael Wollny anfing, sich mit ihm zu befassen: als komponierender, spielender deutscher Jazzpianist. Es gab Zeiten, da wäre die Berufsbezeichnung „deutscher Jazzpianist“ ziemlich exotisch erschienen. Jazz, das war einmal eine uneuropäische Musikrichtung, importiert und in Deutschland erst spät heimisch geworden. Die Zeiten haben sich geändert: Der Jazz ist längst auch eine europäische Angelegenheit und damit vielleicht etwas ganz Neues.

Michael Wollny ist ein Musiker, der dieses Neue, das aus dem Jazz und mit ihm entstanden ist, repräsentiert. Natürlich ist er Jazz-Pianist. Er improvisiert, er versichert sich seiner musikalischen Wurzeln, er entdeckt fortwährend Neuland.  Seine musikalische Herkunft aber ist zweifelsfrei europäisch, mit einem klaren Akzent auf der ehrwürdigen westeuropäischen Musikgeschichte. Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, die deutsche Romantik, der französische Komponist Olivier Messiaen haben ihn mindestens ebenso beeinflusst wie Musik von der anderen Seite des Atlantik, und zu den genannten Einflüssen gesellen sich immer wieder neue hinzu. Bei Michael Wollny sind sich die beiden Traditions-Stränge nicht im Weg, sie verbinden sich miteinander und bereichern sich gegenseitig. Er weist damit auf eine Tradition hin, die in unserer europäischen Kunstmusik seit anderthalb Jahrhunderten unter die Räder gekommen scheint. Obwohl diese Musik scheinbar so ganz und gar vom Gedanken des Notierens geprägt ist und von der Arbeitsteilung zwischen kreativen und ausführenden Musikern, gab es hier eine lebendige Tradition des Fantasierens. Vor allem unter Pianisten. Und Fantasieren, das ist kaum etwas Anderes als Improvisation ohne Jazz-Wurzeln.
 
Michael Wollny muss sich nicht zwischen zwei Traditionen entscheiden, für ihn wäre diese Ent- und Unterscheidung sehr künstlich. Er tritt mit jedem seiner Konzerte den Beweis an, dass der Jazz keiner anderen musikalischen Herkunft im Wege stehen muss, weil er befreiend wirkt. Und dass die europäische Kunstmusik die Fantasie nicht behindern muss, weil sie eine musikalische Grammatik geschaffen hat, die zugleich ein Werkzeug sein kann für Erfinder.

 

 

Dass Michael Wollny zu den international bemerkenswertesten Pianisten gehört, hat er natürlich auch schon mit seinem Beitrag zur ACT-Anthologie Piano Works – Romantic Freedom (ACT 9749-2) bewiesen, die Jazzpiano in seiner reinsten Form präsentiert. Zwischen Joachim Kühn (der einst Thema seiner Diplomarbeit war) und Brad Mehldau liefert Michael Wollny hier mit der Eigenkomposition "There Again" seine erste Solo-Aufnahme überhaupt – ein Debüt mit Folgen. Die Aussicht auf ein komplettes Solo-Album vor Augen, zieht sich Wollny im Sommer 2006 einen Monat lang auf die Insel Gotland zurück, hört dort viel Schubert, Steve Reich, Björk und Joachim Kühn. Dann tritt er bei der JazzBaltica erstmals allein am Flügel, neben Kollegen wie Mehldau, Marcin Wasilewski und Kenny Barron, auf – und Ende Februar 2007 wird sein Solo-Album Hexentanz (ACT 9456-2) als 7. Folge der Reihe Piano Works veröffentlicht.

Wie hieß es noch in der Laudatio zum Bayerischen Kunstförderpreis 2005? "Dabei kommt Wollny – spielerisch locker, mit Mut zum Risiko, und mit nie erlahmender Kreativität – dem Ideal der totalen Improvisation so nah als möglich. Unser Preisträger steht erst am Anfang einer großen Karriere und wir dürfen uns freuen auf die künstlerischen Highlights, mit denen er uns auch in Zukunft überraschen wird." 

 
















 

Preise, Auszeichnungen, Stipendien (Auswahl)

2010   ECHO Jazz-Preisträger in der Kategorie Instrumentalist des Jahres National (Piano) für "Wunderkammer" - Berlin, D

2010    „Choc Award“ – CD des Monats des französischen Jazz Magazine / Jazzman für „If (Blue) Then (Blue)“  - Paris, F

2010    Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik (Kategorie Modern Jazz) für „If (Blue) Then (Blue)“ – Berlin, D

2009   „Choc de l’Annee“ – Jahrespreis des französischen Jazzmagazine / Jazzman für „Live at Schloss Elmau“ - Paris, F

2009   BMW - Welt Jazz Award - München, D

2008   SWR Jazzpreis für das Duo Heinz Sauer – Michael Wollny  - Mainz, D

2007   „Tracks of the Year“ der britischen BBC für die Komposition „Another Mr Lizard“ auf „[em] II“ - London, UK  

2007   Disque d’emoi 2007 – Jahrespreis des französischen „Jazzmagazine“ für „Hexentanz“ - Paris, F

2007   Internationaler Jazzpreis der Nürnberger Nachrichten - Nürnberg, D

2007   Ronnie Scott’s Jazz Award „Most Promising International Newcomer“ für [em] - London, UK

2006   [em] II auf Platz 15 der „100 Besten CDs des Jahres“ (genreübergreifend) des „Observer Music Monthly“ - London, UK

2006   „Choc de l’Annee“ – Jahrespreis des französischen Jazzman für „Certain Beauty“ - Paris, F

2005   Rosenstrauss des Jahres (TZ München) – München, D

2005   Stern des Jahres (AZ München) – München, D

2005   Preis der deutschen Schallplattenkritik für „Melancholia“ – Berlin, D

2005   Bayerischer Kunstförderpreis – München, D
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